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Sommerseminar 2011

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Referat für Ökumene
internationalen Austausch und
Freiwilligendienste

c/o Uli Sonn
Tel. 030-8431 9550
eMail: vb_ulisonn@yahoo.de

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Bericht über das internationale Seminar GLOBALES LERNEN

1.) "Globales Lernen": unter diesem Titel trafen sich vom 16.7. bis 4.8. 2011 im Niemöller Haus und der Kommunität Grimnitz in Joachimsthal 14 Teilnehmer/innen eines internationalen Seminars.
Alle waren Akteure und Multiplikatoren aus friedenspolitischen-, sozialen-, oder Umwelt-organisationen und dem außereuropäischen internationalen Versöhnungsbund (IFOR).
Ziel war es , durch gegenseitige Information über ihre verschiedenen Programme und Projekte, durch den Austausch von Erfahrungen und das voneinander Lernen, die Konfrontation mit globalen Fragen des Überlebens und der Nachhaltigkeit sowie durch das Kennenlernen von "Beispielen guter Praxis"
Globales Lernen einzuüben.
Die authentischen Projektberichte aus den unterschiedlichsten Orten der Welt ermöglichten eine hochinteressante Horizonterweiterung und vermittelten gleichzeitig das Bewusstsein, Teil einer weltweiten Bewegung der "Globalisierung von unten" zu sein: ein weltweites Netzwerk friedenspolitischer Akteure und Gruppen, die durch ihr Engagement manifestieren, dass der Aufbruch in eine "andere Welt" bereits stattfindet. Indem "Globales Lernen" Impulse und Erfahrungen dieser weltweiten Friedens-,Gerechtigkeits-, Menschenrechts- und Umweltbewegungen aufnimmt und sie unter der Perspektive Zukunftsfähigkeit und nachhaltige Entwicklung behandelt, drückt sich darin der Glaube und die Hoffnung aus:
Eine andere Welt ist möglich.

2.) Dieser Slogan des Weltsozialforums bildete den Auftakt des mit Vorträgen, Präsentationen und Projektbesuchen prall gefüllten Programms:
Frau Härlin vom Berliner Wassertisch erläuterte die Funktion des Weltsozialforums als ein Instrument einer weltweiten dezentralen Bewegung, die der Ethik des Neoliberalismus ("Ethik im Dienste des Marktes") die Prinzipien einer auf echter partizipatorischer Demokratie, Gewaltfreiheit und sozialer Gerechtigkeit gegründeten Gesellschaft gegenüberstellt. Dies ließ sich sehr anschaulich am Beispiel der Rekommunalisierungs-Initiative des Berliner Wassertisches illustrieren.
In den folgenden 2 Wochen gestaltete jede/r Teilnehmer/in einen Workshop mit Präsentationen ihrer Organisationen bzw. Projekten, in denen sie engagiert sind:
- Nhamo aus Zimbabwe : Wahlbeobachtung, Kampagne gegen häusliche Gewalt, Solaranlagen für ländliche Schulen, Umweltschutzaktionen
- Jiyothi aus Indien: Gewaltfreiheitstrainings für Schüler und Jugendgruppen
- Miroslava aus Russland: Mobilisierung einer Vielzahl von Jugendlichen für Umweltschutzmaßnahmen und Trainings für Nachaltigkeits-Bewußstein
- Richard aus Uganda: Programme zur Wiedereingliederung ehemaliger Kindersoldaten (Schulen, Berufsausbildung, Gewaltfreiheitstraining, Traumabehandlung)
- Slata aus Russland: internationale Kampagne zum rechtlichen Schutz von nationalen Minderheiten in den Ländern
- Rana und Dana aus Palästina: Aufbau sozialer und kommunaler Infrastruktur, die auf den Prinzipien der Gewaltfreiheit basieren; Modelle zur friedlichen Koexistenz des israelischen u. palästin.Volkes
- Lucas aus USA: vielfältige Projekte des US-FOR wie z.B. Dialog-und Solidaritätsprogramme mit Gruppen in Iran, Irak oder Kolumbien, Betreuung Angehöriger von Gefängnisinsassen, Peace Maker Trainings für Jugendliche, interreligiöse Dialogprogramme
- Jelena aus Serbien: psychotherapeutische Maßnahmen und Resozialisierungsprogramme mit Strafgefangenen; Obdachlosenbetreuung
- Almut aus Tübingen: Freiwilligeneinsatz mit Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste in Tschechien (Altenarbeit in der Jüdischen Gemeinde in Prag); Workshop zum Thema: Was heißt „stolz sein“ auf mein Land?
- Alex aus Rumänien : Bemühungen um faires interkulturelles Zusammenleben und Integration verschiedener Volksgruppen in seinem Land.

Ein besonderer Höhepunkt war die vom USA-FOR eingefädelte Skype-Konferenz im Rahmen ihres "Global Listening Projects". Wir waren direkt verbunden mit einer Gruppe der afghanischen "Youth Peace Volunteers": die afghanischen Jugendlichen berichteten von ihrer "No more war"-Kampagne mit den blauen Halstüchern, alle Teilnehmer unserer Gruppe vermittelten ermutigende Botschaften aus den Erfahrungen ihrer jeweiligen Friedensarbeit. Es war schon ein faszinierendes Erlebnis für alle Seiten, so gleichzeitig "global" vernetzt zu sein mit Friedensaktivisten aus Kabul, Washington und unserer internationalen Gruppe in Berlin.

3.) Das Seminarthema beinhaltete auch das Kennenlernen von "Beispielen guter Praxis". So fanden Exkursionen zu diversen sozialen Projekten statt: Asylberatung in der Hl. Kreuz Kirche, Sozialzentrum zur kulturellen und handwerklichen Entfaltung von Arbeitslosen und Armen (Gitschiner 15) und das Jugendmusikzentrum "Kreuzberger Musikalische Aktion", um Jugendliche von der Straße zu holen. Besonders beeindruckend war die Mitarbeit der Teilnehmer an 1 Tag in einer Suppenküche der Malteser und der Verpflegungsausgabe in der Passionskirche – die Chance praktischen Tuns wurde sehr begrüßt. – Ein methodisch anschaulicher und lebendiger Workshop zum Thema "Fairer Handel" wurde von Maria und Judith gestaltet: anhand des Produktes "Berliner Bohne" wurde illustriert, wie fairer Handel dazu beiträgt, dass Kaffeebauern nachhaltiges Wirtschaften und die Finanzierung von z.B. Bildungs-und Gesundheitsprojekten ermöglich wird. – Albrecht Tiedemann und Christiane Böttcher stellten in einem ausgezeichneten Workshop das Projekt RENAC ("Renewable Academy") vor: Ausbildungsprogramme, die Menschen auf der ganzen Welt befähigen, technologische Kennt-nisse zur Anwendung erneuerbarer Energien zu erwerben.

4. ) Die 2.Woche in der Kommunität Grimnitz in Joachimsthal stand thematisch ganz im Zeichen der globalen Bedrohung durch den Klimawandel und die (noch) vorhandenen Chancen zum Umsteuern.
Claus Dieter Schulze stellte in seinen Workshops("Ist die Erde noch zu retten"?) die Dramatik der Lage dar : Fehlentwicklung globales Wirtschaftswachstum, unverantwortliche CO 2-Emissonen, Resourcenplünderung des Planeten, Verteilungskämpfe, Klimaflüchtlinge, Konfliktursache west-licher Lebensstil, etc, was durch den Film "Home" (Entwicklung der Erde bis zur Gegenwart) noch sehr plastisch illustriert wurde. – Ein Instrument, um den persönlichen Energieverbrauch im Verhältnis zur Belastbarkeit der Erde festzustellen, ist der "ökologische Fußabdruck": Das Global Footprint Network wies nach, dass der ökologische Fußabdruck der gesamten Menschheit gegenwärtig 23 % größer ist als der Planet Erde regenerieren kann.
– Die Erd-Charta ist ein Katalog von ethischen Leitlinien für eine nachhaltige, gerechte und friedliche globale Entwicklung, die sich insbesondere an Jugendliche zur Umsetzung von konkreten praktischen Maßnahmen richtet.
– Das Memorandum des „Plädoyers für eine Ökumenische Zukunft“ appelliert an die Kirchen weltweit, sich für Klimagerechtigkeit einzusetzen . Dem liegt die Einsicht zugrunde, dass die Industrieländer des Nordens bislang die Hauptverursacher des CO2–Anstiegs sind und jetzt ein Nord-Süd-Lastenausgleich bzgl. der Emmissionen dringend geboten ist, wenn das Ziel von max. 2 Grad Erderwärmung erreicht werden soll. Dazu muß jeweils Druck auf die nationalen Regierungen ausgeübt werden.

Dass diese Lobbyarbeit für das Überleben der Erde eine genuine Aufgabe von Christen ist, wurde in der abschließenden Bibelarbeit deutlich. Der antiken Auffassung des Menschen als dominantem Alleinherrscher über die Natur ("Macht euch die Erde untertan") muß heute ein Verständnis entgegengesetzt werden, das den Menschen als Partner im universalen Gefüge der Schöpfung sieht. Er ist Teil eines abgestimmten Verhältnisses von Mensch-Natur-Tier-Pflanzen, in dem er seinen Ort als verantwortlicher Bewahrer der ihm anvertrauten Schöpfung hat.

5. ) In der abschließenden Auswertung kam bei allen die Freude über die Chance des persönlichen Kennenlernens und des Austauschs über die vielfältigen Projekte zum Ausdruck, der tatsächlich ein "globaler Lernprozess" bedeutete. Bedauert wurde das gänzliche Fehlen von deutschen und westeuropäischen VB-Mitgliedern. Wichtige Erkenntnis: Das Engagement auf lokaler Ebene muß seine Entsprechung auch auf der internationalen politischen Ebene finden, lokales und globales Handeln müssen aufeinander bezogen sein. In den Berichten der Teilnehmer und durch das Kennenlernen von Beispielen guter Praxis wurde deutlich, wie wichtig die neue Rolle der Zivil-Gesellschaft und ihrer sozialen Bewegungen ist, sowie die Bedeutung internationaler Netzwerke. Ein Anfang wurde gemacht: die Gruppe hat sich durch face-book vernetzt („sunshine seminar group“) und kommuniziert bereits lebendig!

 


Archiv

Internationales Begegnungsprogramm - MUSIK UND FRIEDEN (24. Juli bis 8. August 2010)

Internationales Begegnungsprogramm und Work-Camp (25. Juli - 9. August 2009)

Internationales Workcamp "Klimawandel, Energieeffiezienz, Frieden" (11. Juli - 25. Juli 2009)


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